Rückblicke

Dr. Hartwig Fischer

Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

"Was Museen wollen, was Museen brauchen - am Beispiel der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden"

16.April 2013, Hotel Schloss Eckberg - Frühstück im Schloss

Fast 250 Jahre blieb die "Sixtinische Madonna" an ihrem unrsprünglichen Ausstellungsortin Piacenza so gut wie unbekannt. Erst durch ihren spektakulären Ankauf für die Dresdner Gemäldegalerie 1752/54 tratsie in die Öffentlichkeit. Bei der Ankunft des Bildes soll König August III. seinen Thron zurSeite geschoben und gerufen haben: „Platz fürden großen Raffael!“ Über hundert Jahre späterhielt Adolph Menzel diese Szene in einem Pastellbild fest. Die "Sixtinische Madonna" ist stolze 2,65 Meter hoch und hat den besten Platz in der Sempergalerie. Menzels ziemlich kleines Bild hängt im Germanischen MuseumNürnberg, huldigt aber auf ganz eigene Weise sowohl dem italienischen Meister als auch der Entdeckung des Kunstwerkes für die Öffentlichkeit. Wenn Hartwig Fischer davon erzählt, teilt er viel von seiner eigenen Haltung mit. Für ihn sind Museen Orte vielfältiger Gaben, die dem Besucher erreichbar sein sollen: Schönheitund Komplexität, Glauben und Wissen, Rettung und Erleuchtung. „Wir Museologen,Architekten, Techniker, Kunstwissenschaftler sind dafür da, dass Besucher Kunstwerken in einer Weise begegnen können, die ihr Leben verändern kann. Dass die Menschen von ihnen geradezu angeschaut werden!“
Allein oder mit anderen, bei einem Museumsbesuch gehe es immer um einen Dialog, erklärt Hartwig Fischer. Den Schauenden dabei ungestört zu lassen, heißt auch verbergen zu können, was nicht gesehen werden soll. Fischer sieht Museen als Identifizierungsort der Menschen eines Staates, einer Nation, auch als offene Universitäten, große Bibliotheken mit Bildern als Sprache. Das Schöne daran: Fischer meint das nicht nur gleichnishaft. Die inhaltlichen Fäden zurTechnischen Universität, zu Bibliotheken und Unternehmen sind geknüpft.