Rückblicke

Prof. Dr. Fritz Vahrenholt

Vorsitzender des Aufsichtsrates RWE Innogy GmbH

"Energiepolitik ist weit mehr als Klimapolitik"

19.Februar 2013

Können die Voraussagen zur globalen Erderwärmung tragfähig sein, müssen wir uns vor dem zu erwartenden Klima wirklich fürchten? Vahrenholt konnte mit Hilfe von Temperaturdaten aus zwei Jahrtausenden zumindest relativieren, was seit Jahren durch die Medien geht. Er vereist auf den 60-Jahreszyklus der Abhängigkeit zwischen Sonnenaktivität und Temperaturen auf der Erde und auf eine momentane "müde Sonne". "Wir betreiben global eine angstgetriebene Energiepolitik", so Vahrenholt. "Wir Deutschen meinen, dass wir Vorbild sein und die Welt retten müssten." Er beklagt u.a., dass wir jetzt Weizen importieren, um die Biospritquote zu erfüllen. Auch ein weltweites Klimabkommen, bei dem Amerika und China nicht dabei sind, kann nicht zufrieden stellen.
Europa muss zu einer gemeinsamen Energiepolitik finden - so seine Forderung. Die Probleme scheinen erdrückend und unsere Nachbarländer investieren weiter in Atomenergie. Doch Vahrenholt sagt auch: "Die Sonne gibt uns Zeit für einen vernüftigen Umbau." Im Jahre 2050 sollten erneuerbare Energien die Hälfte des Strombedarfs decken. Die andere Hälfte kann gut von hocheffizienten Kraftwerken erbracht werden.

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Fritz Vahrenholt

wurde 1949 in Gelsenkirchen geboren. Der promovierte Chemiker begann seine Karriere im Umweltbundesamt und wechselte dann ins hessische Umweltministerium, bevor er Staatsrat bei der Umweltbehörde in Hamburg wurde. Vahrenholt führte die Hamburger Senatskanzlei und war später als Umweltsenator tätig. Anschließend ging er als Vorstand für Erneuerbare Energien zur Deutschen Shell AG. Seit 1999 ist er Honorarprofessor im Fachbereich Chemie der Universität Hamburg. 2001 gründete er den Windenergie-Anlagenbauer Repower Systems und wurde dort Vorstandschef. Von Februar 2008 bis Mitte 2012 leitete er die RWE Innogy GmbH. Mittlerweile ist Vahrenholt Vorsitzender des Aufsichtsrats der Gesellschaft.