Rückblicke

Prof. Manfred Güllner

forsa - Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH

"Wohin bewegt sich Deutschland? Entwicklungstendenzen in Politik und Gesellschaft"

07.Mai 2013, Schloss Eckberg

Meinungsforscher begnügen sich nicht, herauszufinden ,wie etwas ist und sein wird, sie wollen auch wissen, warum. Pünktlich zu Wahlen der Volksvertretungen wird ihre Arbeit hochinteressant, um anschließend wieder in den Hintergrund zu treten. Langzeitbetrachtungen sind nicht jedermanns Sache, aber für Meinungsforscher ein Muss. Als Erstes analysiert der Redner Stärken und Schwächen der regierenden CDU/CSU, vergleicht den bestehenden Vertrauensverlust, die Wählerbindung, Wähleranteile und das Problem der Nichtwähler. Verblüffend: Es sieht heute fast genauso aus wie 1949! Wem war eigentlich aufgefallen, dass der größte Vertrauensverlust in die CDU/CSU-Politik während der 16-jährigen Kohl-Ära geschah, nämlich von 43 auf 28 Prozent? Den Sozialdemokraten geht es nicht besser, auch ihnen sind viele Wähler davongelaufen und sie stehen heute sogar schlechter da als 1949. Hier gab es den Absturz in der Nach-Schröder-Ära. Es scheint nur Hiobsbotschaften zu geben: Der spontane Zulauf – übrigens von allen anderen Parteien – zur Piratenpartei ist einera llgemeinen Enttäuschung gewichen. Die FDP hat nur ein Viertel Wiederwähler und die Grünen sind keine Volkspartei. Die Mär vom "grünen Zeitgeist" ist entkräftet, heute ist es vor allem die obere Bildungsschicht, auch gut situierte Verwaltungsleute, die Grün wählen. Sie finden in der Grünen Partei ihr politisches Zuhause – und bleiben scheinbar unberührt von den Angeboten anderer Parteien. So fleißig Institute wie forsa Meinungen sammeln, einen Vorausblick entwickeln – hat dies Folgen in der Politik? Wenig. „Eisiges Schweigen in Berlin“, konstatiert der Redner. Dabei listen Meinungsforscher akribisch auf, was die größten Probleme der Wähler sind. Im April 2013 waren das Arbeitslosigkeit, Eurokrise, soziales Gefälle, Armut, niedrige Löhne, mangelhafte Bildung, Energieversorgung zu überhöhten Preisen, Atomausstieg, Steuerhinterziehung. Genügend Material für Politiker und ihre Programme, sollte man meinen.

Fotograf: Ralf U. Heinrich

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Manfred Güllner

Manfred Güllner wurde 1941 in Remscheid geboren und arbeitete drei Jahre als wissenschaftlicher Assistent am soziologischen Seminar der Universität zu Köln. Von 1970 bis 1978 war er Mitglied der Institutsleitung beim Institut für angewandte Sozialwissenschaft. Güllner wechselte von dort zum Statistischen Amt der Stadt Köln, welches er als Direktor führte. Im Jahr 1984 gründete er die forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH. Der Akademische Senat der Freien Universität Berlin ernennt ihn 2003 zum Honorarprofessor für Publizistik und Kommunikationswissenschaft.